der deutsche Whisky-Blog von Christian Schulz

Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, deutschen Whisky die Bühne zu geben, den Sie verdienen. Über 400 Brennereien brennen derzeit hochwertigen Whisky und ich zeige euch, welcher zu euch passt.

Pilz Whisky – meine Erfahrungen mit dem deutschen Single Malt

Wer sich intensiver mit deutschem Whisky beschäftigt, merkt schnell: Es gibt inzwischen eine enorme Vielfalt. Kleine Brennereien, ungewöhnliche Fassreifungen, regionale Rohstoffe und Menschen, die Whisky nicht einfach kopieren, sondern ihren eigenen Weg gehen.

Pilz Whisky ist für mich ein gutes Beispiel dafür.

Ich habe Alex Pilz und seine Whiskys nicht zuerst über eine Produktbeschreibung oder eine Anzeige kennengelernt, sondern persönlich. Genau solche Begegnungen sind für mich wichtig, denn Whisky besteht eben nicht nur aus Alkoholgehalt, Fassart und Alter. Mich interessiert immer auch der Mensch dahinter: Warum produziert jemand Whisky? Was möchte er erreichen? Und wie viel von dieser Philosophie findet man am Ende tatsächlich im Glas?

Bei Pilz Whisky habe ich schnell gemerkt, dass hinter den Abfüllungen deutlich mehr steckt als der Wunsch, einfach einen weiteren deutschen Whisky auf den Markt zu bringen.

Wer steckt hinter Pilz Whisky?

Hinter Pilz Whisky steht Alex Pilz. Seine Verbindung zum Whisky begann bereits 2006 während eines Aufenthalts in Schottland. Dort arbeitete er unter anderem als Barkeeper und beschäftigte sich zunehmend intensiv mit Single Malt Whisky und den schottischen Brennereien. Später folgten Tätigkeiten in renommierten Bars, auf Kreuzfahrtschiffen sowie als Spirituosen-Experte und Veranstalter von Tastings. Pilz Whisky

Was ich an dieser Geschichte interessant finde: Pilz Whisky ist nicht aus einer klassischen Brennerfamilie heraus entstanden.

Am Anfang stand der Whisky selbst.

Alex hat sich über viele Jahre mit Spirituosen, Brennereien, Rohstoffen und insbesondere der Fassreifung beschäftigt. 2022 absolvierte er zusätzlich einen Destillateur-Aufbaukurs am Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie in Berlin. 2023 erschien schließlich der erste Pilz Whisky in einer Auflage von nur 334 Flaschen. Pilz Whisky

Das erklärt meiner Meinung nach auch einiges an der späteren Ausrichtung der Marke.

Hier steht nicht möglichst große Produktion im Vordergrund, sondern die Frage: Was kann ich aus einem einzelnen Fass oder einer kleinen Charge herausholen?

Mein persönlicher Eindruck von Pilz Whisky

Als ich Pilz Whisky persönlich kennenlernen konnte, war für mich relativ schnell klar, dass Alex einen sehr detaillierten Blick auf Whisky hat.

Mich interessieren bei einem Brenner besonders die Dinge, die man auf einem Etikett kaum vermitteln kann. Warum wurde genau dieses Fass gewählt? Warum diese Fassgröße? Warum diese Alkoholstärke? Und warum wird ein Whisky zu genau diesem Zeitpunkt abgefüllt?

Genau bei solchen Themen merkt man, ob jemand Whisky einfach produziert oder sich wirklich mit dem Produkt auseinandersetzt.

Bei Pilz Whisky hatte ich diesen Eindruck sehr deutlich.

Das Thema Fassmanagement spielt eine zentrale Rolle. Und das ist für mich ohnehin einer der spannendsten Bereiche bei Whisky. Ein gutes Destillat ist die Grundlage – aber gerade während der Reifung entscheidet sich, welche Richtung ein Whisky später einschlägt.

Auch Alex selbst beschreibt die Auswahl der Rohstoffe, die Destillation und insbesondere das Fassmanagement als wesentliche Bestandteile seiner Arbeit. Pilz Whisky

Für mich ist genau das ein Punkt, der Pilz Whisky interessant macht.

Wo wird Pilz Whisky hergestellt?

ilz Whisky wird in der Ritterguts Manufaktur in Sulingen hergestellt. Der Whisky entsteht dort handwerklich und in vergleichsweise kleinen Chargen. Pilz Whisky

Das Portfolio besteht inzwischen nicht mehr nur aus einem klassischen Batch. Pilz arbeitet unter anderem mit verschiedenen Wein- und Sherryfässern sowie Einzelfassabfüllungen.

Aktuell findet man beispielsweise Abfüllungen aus beziehungsweise mit:

  • Oloroso- und Pedro-Ximénez-Fässern
  • Ex-Bourbon-Fässern
  • Tawny-Port-Fässern
  • Banyuls-Fässern
  • Moscatel-Fässern

Daneben erscheinen regelmäßig limitierte Einzelfässer und Sonderabfüllungen. Pilz Whisky

Genau hier zeigt sich für mich eine Stärke deutscher Whiskyproduzenten: Sie müssen sich nicht zwangsläufig an einen über Jahrzehnte etablierten Hausstil halten, sondern können mit verschiedenen Fassarten experimentieren.

Das kann natürlich auch schiefgehen.

Aber wenn es funktioniert, entstehen Whiskys mit einer sehr eigenständigen Aromatik.

Kleine Fässer – Fluch oder Chance?

Pilz Whisky arbeitet teilweise mit relativ kleinen Fässern. Bei einzelnen Abfüllungen werden beispielsweise 60-Liter-Fässer genannt. Pilz Whisky

Das ist ein Thema, über das ich gerne etwas differenzierter spreche.

Ein kleines Fass bedeutet nicht automatisch einen besseren oder schneller „reifen“ Whisky.

Durch das höhere Verhältnis von Holzoberfläche zu Flüssigkeitsmenge findet allerdings ein intensiverer Austausch zwischen Destillat und Holz statt. Gleichzeitig können dadurch Holzaromen schneller dominant werden.

Gerade deshalb ist die Auswahl des richtigen Zeitpunkts für die Abfüllung entscheidend.

Für mich ist Alter bei Whisky ohnehin keine Qualitätsangabe.

Drei, vier oder fünf Jahre sagen alleine relativ wenig darüber aus, was tatsächlich im Glas passiert. Fassaktivität, Vorbelegung, Fassgröße, Lagerbedingungen und das Destillat selbst spielen mindestens genauso große Rollen.

Und genau bei solchen jungen deutschen Whiskys wird dieses Thema besonders spannend.

Pilz Whisky und die Fassreifung

Ein gutes Beispiel dafür ist der Pilz Whisky Moscatel Cask.

Diese Abfüllung reifte zunächst vier Jahre in Eichenfässern und erhielt anschließend ein elfmonatiges Finish in einem 100-Liter-Moscatel-Fass. Abgefüllt wurde sie mit 57,8 % Vol. in Fassstärke und auf lediglich 148 Flaschen limitiert. Außerdem wird der Whisky nicht kühlfiltriert und nicht gefärbt. Pilz Whisky

Das ist genau die Art von Abfüllung, die ich bei deutschen Produzenten interessant finde.

Nicht, weil ein Moscatel-Fass automatisch außergewöhnlich wäre, sondern weil man damit sehr gezielt arbeiten muss.

Süße Wein- und Dessertweinfässer können einem Whisky viel Frucht, Süße und Körper geben. Sie können einen Whisky aber auch erschlagen.

Das Fass sollte den Whisky ergänzen – nicht ersetzen.

Wie schmeckt Pilz Whisky?

Eine pauschale Antwort darauf gibt es meiner Meinung nach nicht.

Und das ist durchaus positiv.

Wer nur eine einzige Abfüllung probiert, sollte daraus nicht automatisch den kompletten Stil einer Brennerei ableiten.

Der reguläre Pilz Whisky Batch No. 4 wird beispielsweise aus Whiskys zusammengestellt, die in Oloroso-, Pedro-Ximénez- und Ex-Bourbon-Fässern gereift sind. Beschrieben werden unter anderem Zitrusfrüchte, Veilchen, Trockenfrüchte, Macadamia, Papaya, Ananas, Schokolade, Malz und Eiche. Abgefüllt wird er mit 47 % Vol. Pilz Whisky

Andere Einzelfassabfüllungen können durch ihre jeweilige Fassbelegung deutlich davon abweichen.

Genau deshalb würde ich Pilz Whisky auch weniger über ein einzelnes Aromaprofil definieren.

Für mich ist der gemeinsame Nenner eher:

kräftige Fassarbeit, kleine Abfüllungen und der Versuch, jedem Whisky einen eigenen Charakter zu geben.

Nicht kühlfiltriert und ohne Farbstoff

Bei Whisky achte ich außerdem darauf, wie mit dem fertigen Destillat umgegangen wird.

Viele Pilz-Whisky-Abfüllungen werden ohne Farbstoff und ohne Kühlfiltration abgefüllt. Bei einigen Einzelfässern kommt der Whisky zudem in Fassstärke in die Flasche.

Das ist kein automatisches Qualitätsmerkmal.

Ein nicht kühlfiltrierter Whisky kann schlecht sein und ein kühlfiltrierter Whisky sehr gut.

Aber gerade bei kleinen, handwerklichen Abfüllungen finde ich diesen Ansatz sympathisch, weil möglichst wenig zwischen Fass und Glas verändert wird.

Der Whisky darf zeigen, was während seiner Reifung entstanden ist.

Was Pilz Whisky für mich interessant macht

Nach meiner Beschäftigung mit deutschem Whisky und meinem persönlichen Kontakt mit Pilz Whisky ist für mich ein Punkt besonders entscheidend:

Pilz versucht nicht, schottischen Whisky einfach nachzubauen.

Natürlich stammen viele Grundlagen aus der schottischen Whiskytradition. Das gilt letztlich für einen großen Teil der deutschen Single-Malt-Produktion.

Aber deutscher Whisky wird meiner Meinung nach dann interessant, wenn Produzenten anfangen, ihre eigenen Möglichkeiten auszunutzen.

Andere Klimabedingungen, andere Fassgrößen, andere Lieferanten, andere Wein- und Süßweinfässer, Kleinere Produktionsmengen.

Und vor allem die Möglichkeit, sehr individuell mit einzelnen Fässern zu arbeiten. Pilz Whisky bewegt sich genau in diesem Bereich.

Mein Fazit zu Pilz Whisky

Ich beschäftige mich mit Whisky nicht nur als Händler. Ich möchte verstehen, warum ein Whisky so schmeckt, wie er schmeckt und wenn ich einen Produzenten persönlich kennenlernen kann, wird dieser Blick noch einmal wesentlich interessanter.

Bei Pilz Whisky habe ich einen Produzenten kennengelernt, bei dem man merkt, dass hinter den Abfüllungen viel Beschäftigung mit Rohstoff, Destillation und insbesondere dem Fass steckt.

Nicht jede Abfüllung muss dabei zwangsläufig jeden Whiskytrinker abholen. Das sollte sie meiner Meinung nach auch gar nicht. Mir sind Whiskys mit einer erkennbaren Idee lieber als Produkte, die möglichst niemanden stören sollen.

Und genau deshalb gehört Pilz Whisky für mich zu den deutschen Whiskyproduzenten, die man im Auge behalten sollte.

Wer deutschen Whisky bisher hauptsächlich mit den großen bekannten Namen verbindet, kann hier entdecken, wie unterschiedlich die deutsche Whiskylandschaft inzwischen geworden ist.

Sláinte!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Dieses Feld ist ein Pflichtfeld

Dieses Feld ist ein Pflichtfeld

Dieses Feld ist ein Pflichtfeld

Bei der Übermittlung Ihrer Nachricht ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

Sicherheitsüberprüfung

Ungültiger Captcha-Code. Versuchen Sie es erneut.

©Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten.

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.